We, the people: unsere letzte Chance
Nein, die Amerikaner sind bestimmt nicht unsere letzte Hoffnung. Die haben mir ihren eigenen Problemen zu kämpfen. Was uns aber helfen kann ist die Bedeutung hinter den ersten drei Worten der amerikanischen Konstitution: Wir, die Bürger.
Wie bei “Occupy Wallstreet” sehr deutlich wurde, sind die Leute frustriert. Obwohl das in den USA und auch in einigen Ländern Europas viel deutlicher demonstriert wurde,war bei uns eher Sparflamme angesagt.
Das hat zwei Gründe: Zum einen ist durch den Wirtschaftsaufschwung das Vertrauen in die deutsche Wirtschaft gefestigt worden. Das wir bis jetzt Milliarden von Euros in verschiedene Rettungsschirme gepumpt haben, schien diese Situation bis jetzt auch nicht groß zu verändern.
Zum anderen haben die Deutschen nicht so viel verloren wie in anderen Staaten. Überall mussten die Menschen schmerzhafte Einschnitte miterleben. Das ist in Deutschland bis jetzt nicht passiert. Außerdem haben sich auch die Verluste der Deutschen in Grenzen gehalten. Alles halb so schlimm also.
Obwohl also die Menschen in verschiedenen Teilen der Welt mal mehr, mal weniger ausgerastet sind, haben doch alle Länder eines gemeinsam: Die Wut auf das System. Dagegen kann man auch nichts sagen.
Natürlich sind die Menschen wütend auf die Politiker. Sie sind wütend, dass sie die Steuern erhöhen und staatliche Ausgaben zurückschrauben. Aber am meisten haben sie es auf die Reichen abgesehen. Diese geldgierigen, gefühlslosen, seelenlosen Superreichen! Es kann doch nicht angehen, dass diese Menschen jeden Monat Millionen von Zinserträgen und Gewinne durch ihren Firmenanteile ausgeschüttet bekommen, während wir im Dreck wühlen!
Ist das aber die Wahrheit?
Die Wahrheit ist, dass wir das “eine Prozent” nicht für unsere eigenen Fehler verantwortlich machen können. Wir müssen selbst Verantwortung übernehmen. Krisen werden immer wiederkommen und als mündiger Bürger muss man auf dem Laufenden halten. Freiheit bedeutet, die Konsequenzen für unser Handeln zu tragen. Wir können Menschen für unser Handeln nur verantwortlich machen, wenn diese für uns entschieden haben. Das ist aber keine Demokratie, sondern das nennt sich Diktatur.
Die Wahrheit ist, dass immer jemand als Sündenbock herhalten muss. Die Occupybewegung hat keine Ziele, weil es keine Ziele gibt. Natürlich haben gierige Banker viel Geld verspielt, aber niemanden hat das interessiert, so lange alles gut lieft. Banken haben riesige Gewinne gemacht, von denen im Endeffekt über einige Ecken alle profitiert haben. Als alles aber zusammengekracht ist, hat jeder die Schuld dem anderen zugeschoben.
Wenn ein normaler Angestellter bei einem Unternehmen arbeitet, wer ist dann sein Arbeitgeber? Etwa ein armer Mensch? Wenn jemand eine Vision oder eine Geschäftsidee hat, wer finanziert diese dann? Etwa ein Mittelloser?
Und wenn jemand viel Kapital hat, aber niemanden, der für ihn arbeitet, was bringt ihm dann sein Geld? Das Geld verliert natürlich sein Wert, weil kein Schwein mehr arbeitet. Das bedeutet keine Investitionen, kein Wachstum und auch keine Zukunft.
Wir sehen also, wir brauchen einander. Der Arme braucht den Reichen genauso viel wie der Reiche den Armen braucht. Wir müssen die Sache aber mit unserem Verstand anpacken und uns auf keinen Fall von unseren Gefühlen verleiten lassen.
Nur gemeinsam sind wir stark.



