Was ist die “westliche Welt”?
Gerade in den letzten Jahren, in denen Terrorattacken und Globalisierung zu einer Alltagserscheinung geworden sind, fällt der Begriff der “westlichen Welt” in vielen Berichterstattungen auf der ganzen Welt. Er wird meistens benutzt, wenn über bestimmte politische oder menschliche Grundeinstellungen gesprochen wird. Das ist aber bei weitem noch nicht alles. Der “Westen” wird nämlich immer auch mit einer geographischen Position verbunden, meistens den USA und Kanada, Europa, Neuseeland und Australien.
Nun haben in diesen Ländern natürlich nicht alle die gleiche politische Einstellung und auch die Lebenswesen variieren sehr stark. Es gibt Menschen, die verachten alles, wofür ihr Land steht und Menschen, die stolz auf ihre Herkunft und den damit verbundenen Normen und Werten sind. Gerade in den Städten des Westens findet man viele verschiedene Kulturen, Hautfarben und Überzeugungen. Diese zu zählen ist fast unmöglich und jede einzelne dieser Denkweisen zu kategorisieren ist unmöglich. Wie kann man also für all diese Vielfältigkeit einen Überbegriff wählen?
Ich denke, dass die bloße Existenz der Vielfältigkeit ein grundlegender Wert des “Westens” ist. Diese Vielfältigkeit kann nur existieren durch eine moralische Grundhaltung der Meinungsfreiheit der Menschen. Diese ist im Grundgesetz verankert und die meisten Bürger schätzen das als etwas Gutes und Wichtiges. Diese Überzeugung finden wir nicht überall in der Welt. Oft werden Diktaturen und Könige unterstützt und von der Bevölkerung als rechtmäßig und gut erachtet, auch wenn die individuelle Regierung vielleicht sehr schlecht ist. Dieses Konzept ist für den Westen unverständlich und genau deshalb ist der Westen der Westen.
Dieser Teil der Welt ist in sich sich gesehen sehr unterschiedlich aber die (absoluten) Grundwerte sind bei allen gleich. So sind die westlichen Werte geprägt durch das vielfache Erbe griechischen Denkens, römischen Rechts, germanischer Gesellschaftsvorstellungen und christlichen Glaubens. Diese haben dann über die Renaissance und Reformation zur Aufklärung und zur modernen Wissenschaftlichkeit geführt. Als besonders charakteristisch vor allem im Vergleich mit Asien sind folgende Eigenschaften: Individualität, Diesseitigkeit, Rationalität, Gesetzesorientierung und Leistungsethik. Am fremdesten erscheint den Asiaten immer noch der westlich Individualismus, den man auf die Entscheidungsfreiheit des einzelnen und der Überzeugung, ein Kind Gottes zu sein, zurückführen kann.
Was den Westen ausmacht ist also nicht die geographische Lage der Länder sondern deren kulturelle Fundamente. Deshalb kann man “den Westen” auch nicht definieren, da Kultur etwas sehr dynamisches ist und nur sehr schwer messbar. Genauso wenig kann man den “Orient” oder den “Fernen Osten” ganz konkret bestimmen. Die Menschen benutzen abstrakte und oft auch sehr schwammigen Begriffe, um Menschen mit der gleichen Denkweise zusammenfassen zu können. Dabei geht es nicht um das Aussehen der Person oder irgendwelche anderen visuellen Merkmale, sondern ganz allein, wie diese Person die Welt wahrnimmt und mit ihr interagiert.



